Müntefering in Kreuzberg

Stippvisite von Franz Müntefering in Kreuzberg

Umlagert von einem Heer Journalisten: Björn Böhning, Franz Müntefering und betahaus-Gründungsmitglied Tonia Welter.

Umlagert von vielen Journalisten: Björn Böhning, Franz Müntefering und betahaus-Gründungsmitglied Tonia Welter.

 

Zwei Stationen hatte Franz Müntefering, Vorsitzender der SPD, in Begleitung von Björn Böhning, SPD-Bundestagskandidat für Friedrichshain-Kreuzberg, in Berlin-Kreuzberg im Visier: Das betahaus und das Café Smyrna. „Björn sagte zu mir: Da musst Du hin! Da arbeiten junge kreative Menschen“, begründete Müntefering seinen ersten Besuch. Das betahaus bietet seit April Kreativen und freien Mitarbeitern offene Arbeitsräume. Es arbeiten hier Grafiker, Programmierer, Fotografen, Architekten, Startups, eine Konzertagentur, Buchhalter, Akademiker, Rechtsanwälte, NGO’s, Übersetzer, Videokünstler, Journalisten und Blogger.

Tonia Welter, eine von den sechs Gründungsmitgliedern des betahauses führte Müntefering durch die Räume. Müntefering traf Studentinnen und Studenten der Kampagne „Wahlgang `09“, einen freiberuflichen Webdeveloper und die beiden Existenzgründer des Deli Lama Restaurants. Alle nutzen die kommunikativen und technischen Möglichkeiten, die ihnen das betahaus bietet. Insbesondere betonen sie den Synergieeffekt des betahauses für ihre Arbeit. Dieser wird geschaffen, indem Räumlichkeiten und Netzwerke geteilt werden.

Müntefering unterhielt sich mit den jungen Menschen über die Probleme bei dem Start in ihre Freiberuflichkeit: Soziale Sicherung, Ernst genommen werden in der Gesellschaft, aber vor allem auch Ernst genommen werden von den Banken, die momentane Wirtschaftskrise.
Dabei nannte Müntefering das Kernproblem von jungen Freiberuflern: „Wo lernt man die Grundlagen für eine Existenzgründung? Eine Ausbildung im Handwerk dauert drei Jahre. Aber sich selbstständig machen, da wird vorausgesetzt, das muss man einfach können. Nur durch Lernen und Erfahrungen können junge Leute wissen, wie sie ihre Fähigkeiten einsetzen können. Dafür brauchen sie von uns Rahmenbedingungen.“

 
Böhning und Müntefering hören den türkischen Unternehmern bei der Berichterstattung ihrer Probleme zu.
 

Im Café Smyrna trafen sich Müntefering und Böhning mit türkischen Unternehmern zu einem Gespräch. Auch viele türkische Gewerbetreibende sind von der Wirtschaftskrise betroffen und hoffen von der SPD mehr Unterstützung für den Mittelstand. Speziell für den Kiez Kreuzberg wünschten sie sich niedrigere Mieten für Geschäftsräume und mehr Tourismus. Dafür müsse aber besonders am Kottbusser Tor „etwas getan werden“.

Ein großes Thema war die Resignation türkischer Schulabgänger mit schlechten Noten, die keinen Ausbildungsplatz finden. Die türkischen Unternehmer forderten daher, dass ausländische Kinder deutsch lernen müssen. Dabei lobten sie Böhning für seinen Einsatz in der Sprachförderung: „Viele reden nur von Integration, aber Björn Böhning beschäftigt sich wirklich mit dem Kiez.“ Als Beispiel nannten sie das gemeinsame Projekt mit zweisprachigen Elternabenden an Schulen. Somit werde garantiert, dass türkischsprachige Eltern nachvollziehen können, was in der Schule oder in der Kindertagesstätte stattfindet.

Das sei nach Müntefering auch wichtig, um zu erkennen wie der Kenntnisstand der deutschen Sprache zu Hause bei den Kindern sei. Neben der Sprachförderung hob Müntefering aber auch die Rolle von Vereinen hervor. Es sei notwendig, dass Vereine, wie Sportvereine, und die Schule zusammenarbeiten, um jungen Menschen zu zeigen, welche Möglichkeiten es außerhalb der Schule gibt, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Zudem könne man auf diese Weise auch auf berufliche Perspektiven hinweisen. Er kenne einen 73ig-jährigen alten Mann, der in die Schulklassen geht, um über Aerodynamik zu sprechen. Ohne ehrenamtliche Einsätze solcher Art, würden Einblicke ins praktische Berufsleben fehlen.

 

Text und Fotos: Petra Wolf